Donnerstag, 13. September 2012

Alleine machen!

Gestern hatte ich es mal wieder besonders eilig, aus dem Büro nach Hause zu kommen. Ich hatte mit dem Sohn einen Termin beim Kinderarzt. Versteht sich ja von selbst, dass ich an diesem Tag wieder in einer endlosen Besprechung festsaß. Gestresst hetzte ich schließlich in Richtung Kita. Als der Sohn mir strahlend entgegengerannt kam, dachte ich schon von weitem: "Um Gottes Willen, wie sieht der aus??"

Die Hausschuhe falsch herum angezogen, die Hose mit der Rückseite vorn und den Body gleich ganz weggelassen. Ich weiß gar nicht mehr, welcher Gedanke mir als erstes durch den Kopf schoß. Oh nein! Warum ausgerechnet heute? Wir haben es doch so eilig! Was ist denn da passiert?

Die Erzieherin beantwortete mein Fragezeichen im Gesicht: " Er hat sich nach dem Mittagsschlaf ganz alleine angezogen!" Ich antwortete tonlos: "Toll" und dachte mir: "So kann ich den doch nicht mitnehmen. Der sieht aus, als wäre er Sänger bei Kriss Kross!"

Es ist momentan etwas anstrengend mit dem Sohn, denn wir nähern uns mit großen Schritten der Trotzphase. Er zeigt immer öfter einen eigenen Willen, und wehe, man macht nicht mit! Er will den roten Schnuller, anstatt den Blauen ("Roter Nuji haben!" "Ich weiß nicht, wo der rote ist. Nimm den blauen." "ROTER Nuji haben! ROOTER NUJI HAAABEEEN!!"), er will die Schlafanzughose anstatt der Jeans ("DIE Hose anziehen"") und vor allem will er alles "alleine machen!"

Die Erzieherin erklärte mir also, er habe sich alleine angezogen. Das hätte zwar ewig gedauert und das Ergebnis sei natürlich nicht perfekt, aber sie wollten ihn danach auch nicht korrekt anziehen, denn es sei ja ein großer Erfolg für den Sohn, dass er es überhaupt alleine geschafft hat. Im Übrigen wäre es toll, wenn wir das zu Hause auch fördern würden, denn dann hätten es die Erzieherinnen deutlich leichter.

Puh! Mir schießen die Bilder unseres allmorgendlichen Durcheinanders in den Kopf. Wenn der Sohn sich auch noch alleine anziehen will, schaffen wir es nie pünktlich ins Büro.

Alleine machen ist wichtig. Das ist mir klar. Der Sohn stellt seine beginnende Selbstständigkeit unter Beweis. Längst hat er mit der Loslösung von mir begonnen und ist jetzt auf der Jagd nach Erfolgserlebnissen- grundlegende Elemente für ein positives Selbstbewußtsein. Da will ich ja nicht im Weg stehen. Allerdings kann ich mir jetzt auch kein Sabbatical nehmen, damit der Sohn ein gesundes Selbstbewußtsein entwickeln kann- das muss irgendwie anders gehen!

Leider bin ich mit der Loslösung noch nicht so weit wie mein Sohn. Ich werde also morgen eine halbe Stunde früher aufstehen...

Eure Mia

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